Eine Reise ins Weihnachtsland

– Der HVV fuhr im Advent ins Erzgebirge –

Früh morgens ging es am 07.12. los ins Erzgebirge. Bei bestem Wetter freuten sich alle auf die ereignisreiche Reise ins Erzgebirge.

Unser altbekannter und erfahrener Busfahrer fuhr mit uns über die Bundesstraße 7 teilweise entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Dort – und insbesondere im Ort Ifta – veranschaulichte er uns anhand persönlicher Erfahrungen das Leben im ehemaligen inneren Sperrbezirk der DDR. Nur wer dort gelebt hat, kann Einblicke in diese Zeit vermitteln, weshalb seine Berichte sehr authentisch waren und jeder lauschte interessiert seinen Worten.

Unser erster Halt war Erfurt die Hauptstadt Thüringens. Dort hatten wir zwei Stunden Aufenthalt und manche konnten es kaum erwarten, über den ersten Weihnachtsmarkt zu stöbern. Andere zog es in die fantastisch erhaltene Altstadt, zur Krämerbrücke, die einzig erhaltene bebaute Brücke nördlich der Alpen. Viele stellten fest, dass Erfurt für sich eine Reise wert wäre. Nachdem sich die meisten an original thüringischer Rostbratwurst und vielleicht einem Glühwein gestärkt hatten, ging es weiter zum Ziel unserer Reise nach Pobershau im Erzgebirge. Das Hotel lag in einem traumhaften Tal direkt an der Schwarzen Mulde. Das Hotel Schwarzbeerschänke überzeugte mit den modern renovierten Zimmern, Sauna und Schwimmbad, wo man sich nach der Fahrt entspannen konnte. Auf uns wartete bereits das Abendessen in der gemütlichen Gaststube und wer wollte, konnte den Abend bei einem Glase ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen ging es mit einem örtlichen Reiseleiter zunächst nach Zwickau. Schon auf der Hinfahrt vermittelte uns der Reiseleiter alles Wissenswertes über die Geschichte, Bedeutung und Wandel des Erzgebirges. Auch aus persönlicher Erfahrung erzählte er über die Leute, die Zeiten der DDR und den Schwierigkeiten während der Wendezeit, aber er erwähnte auch die gelungenen Projekte und die Zuversicht gegenüber kommenden Veränderungen.

Wir erlebten eine interessante und anschauliche Stadtführung. Zum Abschluss ging es auf den örtlichen Weihnachtsmarkt – oder wer wollte, konnte das Robert Schumann Haus besichtigen oder selbst die Altstadt erkunden.

Anschließend ging es weiter nach Chemnitz, der diesjährigen Kulturhauptstadt. Wir erhielten eine kleine Führung durch die Innenstadt von Chemnitz, sahen den Nüschel (Karl-Marx-Kopf), Theaterplatz mit Oper und den Roten Turm, sowie das historische Rathaus und den Dom. Es wurde allmählich dunkel und die Weihnachtsbeleuchtung von Chemitz war wirklich beeindruckend. Nicht nur die weihnachtlichen Beleuchtungen sondern auch die Illumination der historischen Gebäude verübten einen besonderen Glanz, den keiner missen wollte.

Abends gab es im Hotel einen bergmännischen Abend. Ein ehemaliger Bergmann hatte Anschauungsstücke wie Gestein, Kleidung, historische Bilder und Werkzeug dabei und berichtete vom Bergbau im Erzgebirge. Zum Schluss stimmten wir das auch im Ruhrgebiet bekannte Lied „Glück Auf – der Steiger kommt“ an, was ein sehr emotionaler Augenblick war.

Bei blauem Himmel und bester Fernsicht machten wir am folgenden Tag einen Ausflug nach Schwarzenberg.

Jeder Ort im Erzgebirge schmückt sich in der Adventszeit mit eine Krippe, Schwibbogen oder Pyramide. In Schwarzenberg steht aber die älteste und somit von historischer Bedeutung. Hoch über dem Tal thront das Schloss und auf dem Weg dorthin erfreuten wir uns eines alten Glockenspiels aus Meißener Porzellan in einem historischen Glockenturm.

Auf der Rückfahrt durch die malerische Landschaft machten wir noch Halt in Zwönitz und besuchten die Trinitatiskirche mit ihrer barocken Emporenhalle aus dem 17. Jahrhundert.

Viele freuten sich schon auf die Fackelwanderung am Abend beim Hotel. Unter fachkundiger Leitung ging es etwa zwei Kilometer mit einer Fackel zu einem verlassenen Stollen. Nach so einem ereignisreichen Tag schmeckte das Abendessen besonders, zumal wir täglich zwischen mehreren Gerichten wählen konnten.

Der 4. Tag stand ganz im Mittelpunkt für Schleckermäuler, denn es ging nach Annaberg, dem Herzen des Erzgebirges. Zunächst war die Altstadt mit dem preisgekürten Weihnachtsmarkt unser Ziel. Auch hier bildete eine Pyramide, die für das Erzgebirge berühmt sind, den Mittelpunkt des Marktes. Es blieb noch genügend Zeit zur Besichtigung der Bergmannskirche und/oder der St. Anna Kirche, die wegen der Wandelaltäre den UNESCO Welterbestatus erhalten hatte. Die St. Anna Kirche ist dieses Jahr 500 Jahre alt und ein imposanter romanischer Bau, zudem die einzige Kirche Deutschlands, die noch eine bewohnte Türmerwohnung hat. Wer möchte täglich diese Stufen erklimmen?

Wer auf dem Weihnachtsmarkt noch nicht genügend Naschereien bekommen hatte, konnte bei der Besichtigung einer Stollenbäckerei noch Nachschlag bekommen. Einer der Geschäftsführer selbst führte uns durch die Bäckerei, erklärte uns, was einen guten Stollen ausmacht und welche aufwendigen Produktionsschritte vonnöten sind. Selbstverständlich gab es eine Gratisverkostung verschiedener Sorten und nach der wirklich fachlich sehr guten Erklärung die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Backwaren zu erwerben.

Unser 5. Tag war entspannter aber keinesfalls weniger interessant. Bei wiederum traumhaften Wetter fuhren wir durch die hügelige Landschaft des Erzgebirges nach Grünhainichen um die Welt der Produktion der Wendt & Kühne Engel, bekannt durch ihre 11-punkte Flügel, zu bestaunen. Die dortigen Damen erklärten und zeigten uns mit viel Enthusiasmus die Geschichte dieser weltbekannten Firma.

Ob es die Produktion von Engeln, Spieluhren oder anderen Figuren ist, es benötigt unglaublich viel Hingabe und Mühe zum Detail, um solche hochwertigen Schmuckarbeiten herzustellen.

Die Wertschätzung dieser Handarbeiten wurde uns nach der kompetenten Führung bewusst.

Der Tag klang mit einem Hutzenabend mit erzgebirgischen Liedern und Anekdötchen aus.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Heimweg – doch zuvor noch ein zweistündiger Aufenthalt in Arnstadt. Auch hier wieder nur ein kleiner Einblick, was die Stadt zu bieten hätte und wer weiß, vielleicht kehrt der eine oder die andere mal in diese historische Stadt zurück, eine Reise wäre die Stadt wert.

Die gesamte Reise war wirklich kurzweilig, sehr gute Erklärungen und Führungen, so dass nie Verdruss oder Langeweile aufkam und wunderschöne Ziele in einem Teil Deutschlands, den man nicht unbedingt als Reiseziel priorisiert.

Hartmut Albrecht